29. Oktober 2026
In der Öffentlichkeit gestalten die Menschen mit ihrer Gegenwart und ihren Handlungen unaufhörlich das sich mit ihnen verändernde Stadtbild, während Straßen und Gebäude die eher statische Bühne liefern.
Gelegentlich ergeben sich dabei flüchtige Ansichten, die wie gestellt wirken, während sie in Wirklichkeit nur für einen winzigen Moment ebenso kurz wie rein zufällig aus dem Gewimmel hervortreten. Die dem innewohnende Diskrepanz aus Wirkung und Wirklichkeit hinterlässt beim Betrachter nicht selten einen Wunschn nach Kontext, den die Protagonisten in ihrer Anonymität mithin stets schuldig bleiben müssen.
Die Sammlung »unposed« (Menü archiv - öffentl. raum - unposed) auf den Fotoseiten trägt diesen Eigenschaften Rechnung und erhält mit der diesen Beitrag begleitenden Aufnahme wieder einmal Zuwachs.
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Randnotiz aus aktuellem Anlass: Es war im Mai inzwischen zwanzig Jahre her, dass ich ein Benutzerkonto auf flickr eröffnete. Seinerzeit war mit flickr ein neues Zeitalter angebrochen. Heute scheint sie zwar nur noch ein Schatten ihrer selbst zu sein, das Bedürfnis, Fotografien mit Gleichgesinnten zu teilen ist allerdings ungebrochen und trägt weiterhin maßgeblich zum Fortbestand der Plattform bei.
flickr hat noch immer Funktionen zu bieten, die andere Plattformen nicht haben, Beispielsweise die Möglichkeit, Galerien aus Fotos Anderer zusammenstellen zu können. Und ebenso die Favoriten-Funktion, die zeigt, welche Fotografien man von Anderen schätzt. Favoritenliste und Galerien drücken aus, welche Fotos auf flickr man besonders mag und woraus man vielleicht auch Inspiration zieht.
Neben gelegentlichem Verteilen von »Faves« oder (eher selten) dem Anfertigen einer Galerie beschränkt sich meine eigene Teilnahme von flickr allerdings schon länger nur noch auf ein sehr flüchtiges Zeigen von Fotografien. Soll heißen, Aufnahmen sammeln sich eine Weile an und werden von Zeit zu Zeit wieder entfernt, um neuen Aufnahmen Platz zum machen.
Wichtiger ist mir hierfür eigentlich meine eigene Webseite, wohl wissend, dass sich dort erst recht niemand hinverirrt. Aber das tut ja auf flickr auch kaum jemand, so ist es dann auch egal.
Aber zwanzig Jahre, das ist schon irre.
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Heute scheint sich, noch mehr als früher auch schon, alles um Reichweite zu drehen und wieviel Umsatz mit einem Webinhalt erzielt wird. Ein Journal wie dieses ist anders und es ist gut, dass es weiterhin solche Inhalte im Netz gibt. Orte, die keiner Mission folgen, die einfach da sind und eine feste Größe im unendlichen Kosmos des Internet bilden, auch wenn sie einen noch so unbedeutenden Anteil darstellen mögen.
Zeitverschwendung? Nein. Ein unerlässliches Kulturgut, das sich zumindest in meinem Fall nicht auf Worte beschränkt. Auch Fotografien sollten, ganz in der Tradition früher Fotoblogs, ihre eigene Online-Nische haben und wollen gehegt werden. Hier ist es so.
Bild:
Stockholm, Juni 2024
Kodak Portra 400, Summicron-M 28
© Ulrich Hilger
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